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Harmondu Business Club
Das Erfolgsinterview mit
Tina Borik
Geschichten, die Kraft geben. Wege, die Mut machen. Menschen, die bewegen.
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Das Erfolgsinterview mit Tina Borik
[Harmondu]: Wer bist du, woher kommst du und was hat dich zu dem Menschen gemacht, der du heute bist?
Ich bin Tina Borik, systemische Tiertrainerin mit Spezialisierung auf Katzen und Gründerin von Tierdialekt in Wien.
Geboren wurde ich 1993 in Wien-Hütteldorf, direkt am Wienerwald. Tiere waren von Anfang an ein fester Bestandteil meines Lebens. Als ich auf die Welt kam, wartete bereits ein älterer Kater auf mich zuhause. Seitdem gab es in meinem Leben kaum einen Zeitpunkt ohne tierische Begleiter.
Schon als Kind interessierten mich nicht nur Haustiere, sondern alle Tiere. Ob Katze, Hund, Schwein, Igel, Vogel oder Insekten. Ich wollte immer wissen, warum Tiere tun, was sie tun. Während andere Kinder vielleicht einfach mit ihren Tieren spielten, beobachtete ich sie, suchte nach Zusammenhängen und versuchte, ihre Bedürfnisse zu verstehen. Damals wusste ich noch nicht, dass genau diese Neugier viele Jahre später einmal mein Beruf werden würde.
Besonders geprägt hat mich mein Kater Murli, der mich durch einen großen Teil meines Lebens begleitet hat. Durch ihn wurde mir bewusst, wie tief die Beziehung zwischen Mensch und Tier sein kann und wie viel Verantwortung wir für die Lebewesen übernehmen, die ihr Leben mit uns teilen. Für mich waren Tiere nie Besitz oder Hobby, sie waren immer Familienmitglieder.
Beruflich führte mich mein Weg zunächst in die österreichische Justiz, wo ich bis heute tätig bin. Der Wunsch, beruflich mit Tieren zu arbeiten, blieb jedoch bestehen. Deshalb absolvierte ich die Ausbildung zur systemischen Tiertrainerin und spezialisierte mich später zusätzlich auf Katzenverhalten.
Rückblickend haben mich aber nicht nur meine Ausbildungen zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Es waren die Tiere selbst. Jede Katze, jedes Kleintier und jedes Wildtier, das meinen Weg gekreuzt hat, hat mich etwas gelehrt. Sie haben mir Geduld, Empathie und Beobachtungsgabe beigebracht. Vor allem haben sie mir gezeigt, dass Verhalten immer einen Grund hat.
Genau diese Überzeugung prägt heute meine Arbeit bei Tierdialekt. Ich möchte Menschen nicht nur dabei helfen, Probleme mit ihren Katzen zu lösen. Ich möchte ihnen dabei helfen, ihre Tiere besser zu verstehen. Denn wenn wir lernen, die Bedürfnisse und die Sprache unserer Tiere zu erkennen, entstehen Vertrauen, Respekt und ein harmonisches Miteinander.
[Harmondu]: In welcher Branche bist du tätig, was machst du konkret und was treibt dich täglich an?
Ich bin als systemische Tiertrainerin mit Spezialisierung auf Katzen tätig und habe mit Tierdialekt ein Unternehmen aufgebaut, das sich der Beziehung zwischen Mensch und Tier widmet. Mein Schwerpunkt liegt auf Katzenverhaltensberatung, Katzentraining, präventiver Beratung sowie mobiler Haustierbetreuung in Wien.
Konkret unterstütze ich Menschen dabei, ihre Katzen besser zu verstehen. Viele meiner Kunden kommen zu mir, weil ihre Katze ein Verhalten zeigt, das sie belastet oder verunsichert; wie etwa Unsauberkeit, Konflikte zwischen Katzen, Ängste, Aggressionen oder Veränderungen nach einem Umzug oder anderen Lebensereignissen. Gemeinsam gehen wir auf Ursachenforschung, denn für mich steht fest: Jedes Verhalten hat einen Grund.
Dabei betrachte ich nie nur die Katze alleine. Als systemische Tiertrainerin beziehe ich immer das gesamte Umfeld mit ein: die Menschen, die Wohnsituation, andere Tiere im Haushalt und die individuellen Bedürfnisse aller Beteiligten. Oft zeigt sich, dass eine Katze nicht „das Problem“ ist, sondern lediglich auf etwas reagiert, das in ihrem Umfeld aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Neben der Verhaltensberatung begleite ich Katzenhalter auch präventiv, beispielsweise vor dem Einzug einer Katze, bei einer Vergesellschaftung oder bei einer Übersiedlung. Außerdem zeige ich Menschen durch Clickertraining, Medical Training sowie mentales und körperliches Training, wie sie ihre Katze sinnvoll beschäftigen und die gemeinsame Beziehung stärken können.
Was mich täglich antreibt, ist die Überzeugung, dass Tiere als fühlende Individuen wahrgenommen werden sollten. Ich sehe immer wieder, wie Missverständnisse zwischen Mensch und Tier zu Frust auf beiden Seiten führen. Gleichzeitig erlebe ich, wie viel sich verändert, wenn Menschen beginnen, ihre Katze wirklich zu verstehen.
Für mich bedeutet Tiertraining deshalb weit mehr als das Lösen von Problemen. Es bedeutet, Verständnis zu schaffen, Vertrauen aufzubauen und Menschen dabei zu helfen, die Sprache ihrer Tiere besser zu lesen. Genau das ist auch die Idee hinter dem Namen Tierdialekt: Tiere kommunizieren ständig mit uns – wir müssen nur lernen, ihren „Dialekt“ zu verstehen.
[Harmondu]: Gab es einen Moment in deinem Leben, der alles verändert hat? Was ist passiert und was hat sich dadurch für dich verändert?
Ja, diesen Wendepunkt gab es. Er kam allerdings nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch eine Zeit in meinem Leben, in der ich gemerkt habe, dass ich etwas verändern möchte.
Nach der Schule absolvierte ich eine Lehre zur Verwaltungsassistentin und arbeite bis heute in der österreichischen Justiz. Ich hatte meine Ausbildung abgeschlossen, meinen Führerschein gemacht und eigentlich alle Ziele erreicht, die ich mir damals gesetzt hatte. Von außen betrachtet lief alles gut. Ich hatte einen sicheren Beruf, den ich bis heute ausübe. Trotzdem spürte ich, dass etwas fehlte.
Ich stellte mir immer häufiger die Frage: „Soll das wirklich schon alles gewesen sein?“
In dieser Zeit habe ich regelmäßig die Sendung „Lucky Dogs“ von Brandon McMillan verfolgt. Seine Arbeit hat mich fasziniert und ich begann, mich näher mit ihm und seinem Werdegang zu beschäftigen. Dabei wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass es neben Hundetrainer:innen auch viele andere Spezialisierungen im Bereich des Tiertrainings gibt. Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los und weckte in mir den Wunsch, selbst nach einer passenden Ausbildung zu suchen.
Auf meiner Suche stieß ich schließlich auf die Ausbildung zur systemischen Tiertrainerin an der Mauritiushof Naturakademie. Dort wurde mir schnell klar, dass ich meine Leidenschaft für Tiere mit fundiertem Fachwissen verbinden und daraus etwas Eigenes entwickeln konnte.
Aus dieser Entscheidung entstand schließlich Tierdialekt. Meinen Beruf in der Justiz wollte ich aber nicht aufgeben. Ich wollte nicht vor etwas davonlaufen, sondern etwas Neues aufbauen. Deshalb entschied ich mich bewusst dafür, beide Welten miteinander zu verbinden.
Rückblickend war genau diese Entscheidung der Beginn eines Weges, der mein Leben nachhaltig verändert hat.
[Harmondu]: Was war dein größter Rückschlag und was hat dir geholfen, wieder aufzustehen?
Ich glaube, früher hätte ich diese Frage ganz anders beantwortet als heute. Damals hätte ich vermutlich einzelne Ereignisse aufgezählt. Heute sehe ich viele dieser Momente nicht mehr als Rückschläge, sondern als Entwicklungsschritte.
Ein prägender Abschnitt war sicherlich meine Ausbildung zur systemischen Tiertrainerin. Dort spielte Selbstreflexion eine große Rolle. Ehrlich, auf das eigene Denken und Handeln zu blicken, eigene Überzeugungen zu hinterfragen und festzustellen, dass man selbst noch viel lernen darf, war nicht immer einfach. Manche Erkenntnisse fühlten sich im ersten Moment tatsächlich wie ein Rückschlag an. Heute weiß ich, dass genau diese Momente mich am meisten weitergebracht haben.
Diese Erfahrung hat meine Sicht auf Herausforderungen grundlegend verändert. Auch in der Arbeit mit Katzen gibt es selten den einen perfekten Lösungsweg. Ich beobachte, probiere aus, passe an und lerne aus jeder Reaktion des Tieres. Funktioniert etwas nicht, bedeutet das für mich nicht, dass ich gescheitert bin. Es bedeutet lediglich, dass ich eine weitere Möglichkeit gefunden habe, die für dieses Tier oder diese Situation noch nicht die richtige ist.
Mit genau dieser Haltung habe ich auch Tierdialekt aufgebaut. Es gab keinen fertigen Plan und keine Garantie, dass alles funktionieren würde. Vieles entstand Schritt für Schritt, durch Ausprobieren, Beobachten und den Mut, Dinge immer wieder anzupassen.
Deshalb haben Rückschläge für mich heute eine andere Bedeutung als noch vor einigen Jahren. Sie zeigen mir nicht, dass ich aufgeben sollte. Sie zeigen mir, dass ich noch nicht am Ziel bin und dass es vielleicht einen besseren Weg gibt.
Ich glaube, genau diese Einstellung hat mich immer wieder aufstehen lassen – die Überzeugung, dass jeder Versuch, auch wenn er nicht zum gewünschten Ergebnis führt, eine wertvolle Erfahrung ist. Denn Lernen bedeutet für mich nicht, alles sofort richtig zu machen, sondern bereit zu sein, immer wieder hinzusehen, dazuzulernen und weiterzugehen.
[Harmondu]: Welche Werte leiten dich beruflich wie persönlich und wie lebst du diese im Alltag?
Verständnis und Respekt gehören zu den wichtigsten Werten in meinem Leben. Das begleitet mich nicht nur in der Arbeit mit Tieren, sondern auch im Alltag und im Büro. Ich wünsche mir, dass wir uns die Zeit nehmen, Menschen und Tiere zu verstehen, bevor wir sie bewerten. Denn hinter jedem Verhalten steckt eine Ursache und eine eigene Geschichte.
Genau das prägt auch meine Arbeit als Katzenverhaltensberaterin. Ich möchte nicht nur Symptome beseitigen, sondern verstehen, warum ein Verhalten überhaupt entstanden ist. Denn nur wenn wir die Ursachen erkennen, können wir nachhaltig etwas verändern. Mir geht es nicht darum, Probleme kurzfristig zu lösen, sondern gemeinsam mit den Menschen Lösungen zu entwickeln, die langfristig funktionieren und das Zusammenleben nachhaltig verbessern.
Ein weiterer wichtiger Wert ist Ehrlichkeit, sowohl gegenüber meinen Kund:innen als auch mir selbst. Ich verspreche keine Wunder, sondern begleite Menschen dabei, ihr Tier besser zu verstehen und gemeinsam einen Weg zu finden, der für beide Seiten passt.
Außerdem bin ich überzeugt, dass man nie auslernt. Deshalb bilde ich mich regelmäßig weiter, hinterfrage mein eigenes Wissen und bleibe offen für neue Erkenntnisse. Nur so kann ich mich persönlich und fachlich weiterentwickeln und meine Kund:innen bestmöglich unterstützen.
[Harmondu]: Was bedeutet Erfolg für dich persönlich und was war der wichtigste Schlüssel auf deinem Weg dorthin?
Für mich bedeutet Erfolg nicht, möglichst viele Kund:innen zu haben oder eine bestimmte Unternehmensgröße zu erreichen. Erfolg bedeutet für mich, wenn ich eine Mensch-Tier-Beziehung nachhaltig stärken konnte.
Es berührt mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich sehe, dass eine Katze wieder entspannt und glücklich in ihrer Familie leben kann, weil ihre Bedürfnisse erkannt und verstanden werden. Genauso wichtig ist mir aber auch, dass die Menschen wieder Freude am Zusammenleben mit ihrem Tier haben und es nicht mehr als Belastung empfinden. Denn nur wenn beide Seiten gesehen werden, kann ein harmonisches Miteinander entstehen.
Genau das macht für mich den Erfolg meiner Arbeit aus. Es geht nicht darum, ein Verhalten möglichst schnell zu unterdrücken, sondern die Ursachen zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die für Mensch und Tier langfristig funktionieren.
Der wichtigste Schlüssel auf meinem Weg war, den Mut zu haben, einfach anzufangen und gleichzeitig offen dafür zu bleiben, ständig dazuzulernen. Ich bin überzeugt, dass man nie auslernt, weder im Umgang mit Tieren noch als Mensch. Jede Beratung, jede Katze und jede Familie bringt neue Erfahrungen mit sich und erweitert meinen Blick.
Heute bin ich stolz darauf, dass ich mit Tierdialekt dazu beitragen darf, Beziehungen zu stärken. Denn für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als zu erleben, wenn aus Unsicherheit wieder Verständnis wird und Mensch und Tier gemeinsam ihren Weg finden.
[Harmondu]: Wie findest du Balance zwischen Arbeit, Familie und dir selbst und wer oder was inspiriert dich dabei?
Inspiration finde ich vor allem bei Menschen, die ihren eigenen Weg gehen und auch in schwierigen Zeiten nicht aufgeben. Mein Freund gehört definitiv dazu. Er arbeitet konsequent an seinen Zielen und erinnert mich immer wieder daran, wie wichtig Ausdauer und Vertrauen in den eigenen Weg sind.
Geprägt haben mich außerdem Menschen wie mein Ausbildner, Dr. med. univ. Dieter Schaufler, der mir gezeigt hat, dass man sich das Leben aufbauen kann, das man sich wünscht – und dass gerade Herausforderungen uns wachsen lassen. Brandon McMillan hat mich wiederum auf die Welt des Tiertrainings aufmerksam gemacht und war letztlich der Auslöser dafür, dass ich mich intensiver mit diesem Berufsfeld beschäftigt habe.
Eine große Inspiration ist für mich auch das Team von Tierschutz Austria, insbesondere Stephan Scheidl. Sein unermüdlicher Einsatz für Tiere und sein Mut, Entscheidungen mit Herz und Überzeugung zu treffen, beeindrucken mich bis heute. Dieses Engagement motiviert mich, meinen eigenen Weg mit derselben Leidenschaft weiterzugehen.
Meine Balance finde ich vor allem durch Katzen. Natürlich allen voran durch meine eigenen Kater, aber auch durch die Katzen, die ich im Rahmen meiner Beratungen kennenlernen darf. Mit jeder Katze, die ich kennenlernen darf, lerne auch ich wieder etwas dazu. Oft reicht es schon, sie eine Zeit lang zu beobachten. Dabei komme ich zur Ruhe, finde neue Kraft und entdecke immer wieder Dinge, die meinen Blick auf Verhalten erweitern.
Natürlich wäre das alles ohne die Unterstützung meines Umfeldes nicht möglich. Mein Freund begleitet mich auf diesem Weg und gibt mir immer wieder Rückhalt. Auch meine Eltern unterstützen mich, wo sie können. Dafür bin ich sehr dankbar.
Ich glaube, genau diese Menschen und Tiere erinnern mich jeden Tag daran, warum ich diesen Weg gewählt habe: weil ich nie aufhören möchte zu lernen und weil ich mit Tierdialekt einen Beitrag dazu leisten möchte, dass Menschen und Tiere einander besser verstehen.
[Harmondu]: Welche Botschaft möchtest du Menschen mitgeben, die dich und deine Geschichte noch nicht kennen?
Wenn ich den Menschen eine Botschaft mitgeben dürfte, dann wäre es diese: Habt den Mut, euren eigenen Weg zu gehen – auch wenn er nicht immer geradlinig verläuft.
Oft glauben wir, dass wir alles perfekt planen müssen, oder wir dürfen erst dann anfangen, wenn wir bereit sind. Meine eigene Geschichte hat mir gezeigt, dass Entwicklung häufig genau dort beginnt, wo wir den Mut haben, den ersten Schritt zu machen. Viele der Entscheidungen, die mein Leben verändert haben, entstanden nicht aus einem perfekten Plan, sondern aus dem Gefühl heraus, dass es Zeit war, etwas zu verändern.
Außerdem wünsche ich mir, dass wir alle lernen, genauer hinzusehen – nicht nur bei Tieren, sondern auch bei Menschen. Hinter jedem Verhalten steckt eine Geschichte, ein Bedürfnis oder eine Erfahrung, die wir auf den ersten Blick oft nicht erkennen. Wer versucht zu verstehen, statt vorschnell zu urteilen, schafft die Grundlage für Vertrauen, Respekt und echte Beziehungen.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis, die mich mein Weg gelehrt hat: Wir müssen nicht perfekt sein. Wir müssen nur bereit sein, neugierig zu bleiben, dazuzulernen und manchmal auch neue Wege auszuprobieren.
Wenn meine Geschichte andere dazu ermutigt, ihrer Intuition mehr zu vertrauen, offen für Veränderung zu bleiben und Beziehungen, zu Menschen genauso wie zu Tieren, bewusst zu gestalten, dann ist das die schönste Botschaft, die ich weitergeben kann.
[Harmondu]: Was bewegt dich gerade und worauf darf man bei dir in Zukunft gespannt sein?
Mein größter Traum mit Tierdialekt ist eigentlich ein Widerspruch: Ich wünsche mir, dass meine Arbeit als Verhaltensberaterin eines Tages gar nicht mehr gebraucht wird.
Natürlich wird es immer individuelle Herausforderungen geben. Aber ich wünsche mir, dass sich unser Blick auf Tiere verändert. Dass sich Menschen schon vor der Anschaffung eines Tieres intensiv mit dessen Bedürfnissen, Haltung, Kosten und natürlichen Verhaltensweisen auseinandersetzen. Und dass sie sich anschließend die Zeit nehmen, auch den individuellen Charakter ihres Tieres kennenzulernen.
Wissen über eine Tierart ist wichtig, aber genauso wichtig ist es, das Individuum zu sehen. Jedes Tier bringt seinen ganz eigenen Charakter, seine eigene Geschichte und seine eigenen Bedürfnisse mit. Wer das versteht, schafft die Grundlage für ein harmonisches und respektvolles Zusammenleben.
Ich wünsche mir außerdem, dass wir Tiere nicht mehr nur als Begleiter oder Haustiere sehen, sondern als Lebewesen, mit denen wir diese Welt teilen. Ob Katze, Hund, Pferd, Schimpanse oder Erdmännchen, jedes Tier hat seine eigene Lebensweise und seine eigenen Bedürfnisse. Je besser wir diese verstehen, desto respektvoller können wir miteinander umgehen.
Deshalb wird mich auch in Zukunft vor allem eines bewegen: Menschen dabei zu helfen, Tiere besser zu verstehen. Nicht nur, um Probleme zu lösen, sondern damit viele davon gar nicht erst entstehen. Wenn Tierdialekt dazu beitragen kann, dieses Bewusstsein zu stärken, dann wäre das für mich der größte Erfolg.
[Harmondu]: Welche Auszeichnungen oder besonderen Anerkennungen hast du in deinem Leben erhalten, auf die du besonders stolz bist?
Besonders stolz bin ich darauf, dass ich meine Diplomausbildung zur systemischen Tiertrainerin an der Mauritiushof Naturakademie mit Auszeichnung abgeschlossen habe. Diese Ausbildung hat meinen weiteren Weg maßgeblich geprägt und mir gezeigt, dass ich meine Leidenschaft für Tiere mit fundiertem Fachwissen verbinden kann.
Ein besonderes Herzensprojekt war meine Diplomarbeit „Laute der Katze“. Sie wurde von meinem Ausbilder und meiner Ausbildnerin sehr positiv aufgenommen. Dieses wertschätzende Feedback hat mich darin bestärkt, meinen Weg weiterzugehen und mich noch intensiver mit dem Verhalten und der Kommunikation von Katzen auseinanderzusetzen.
Seitdem bilde ich mich kontinuierlich weiter, z. B. in den Bereichen Katzenverhalten, Erste Hilfe bei Katzen, Wildtierrettung und Kommunikation. Dabei geht es mir jedoch nie darum, möglichst viele Zertifikate zu sammeln. Ich bin überzeugt, dass man nie auslernt und jede Weiterbildung meinen Blick erweitert und meine Arbeit bereichert.
Eine besondere Bedeutung hat für mich auch mein ehrenamtliches Engagement bei Tierschutz Austria. Dort unterstütze ich seit 2023 regelmäßig das Katzenteam, sammle wertvolle praktische Erfahrungen und werde inzwischen auch als Verhaltensberaterin weiterempfohlen. Dieses Vertrauen bedeutet mir sehr viel.
Die größte Anerkennung sind für mich jedoch die Empfehlungen meiner Kundinnen und Kunden sowie das Vertrauen von Tierärzt:innen, Tierschutz Austria und anderen Fachpersonen. Wenn Menschen meine Arbeit weiterempfehlen, weil sie selbst erlebt haben, wie sich die Beziehung zu ihrem Tier verbessert hat, dann ist das für mich die schönste Bestätigung überhaupt.
[Harmondu]: Wenn Tiere sprechen könnten: Was glaubst du, würden sie uns Menschen als Erstes sagen?
Ich glaube, sie würden sagen: „Versuche zuerst, mich zu verstehen, bevor du über mich urteilst.“
Tiere kommunizieren jeden Tag mit uns, nur eben nicht mit Worten. Sie zeigen uns durch ihre Körpersprache, ihr Verhalten und teilweise ihre Laute, wie es ihnen geht. Die Herausforderung besteht nicht darin, dass Tiere uns nichts zu sagen hätten, sondern darin, dass wir oft verlernt haben, genau hinzusehen.
Vielleicht würden sie uns auch daran erinnern, dass wir diese Welt gemeinsam mit ihnen teilen. Sie brauchen kein perfektes Zuhause und keine unzähligen Spielsachen. Sie brauchen Menschen, die bereit sind, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen, ihre Individualität zu akzeptieren und Verantwortung für sie zu übernehmen.
Für mich wäre ihre Botschaft deshalb ganz einfach: „Sieh mich als das, was ich bin – ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und einer eigenen Persönlichkeit. Wenn du mich wirklich verstehen möchtest, werden wir einen gemeinsamen Weg finden.“
Ich glaube, genau darin liegt der Schlüssel für ein harmonisches Zusammenleben, nicht nur mit Tieren, sondern auch miteinander.