Für viele gehören Sex und Liebe nicht zusammen. Gerade Männer können da sehr unterkühlt sein. Doch sexual Aftercare kommt langsam mehr und mehr in die Beziehungen. Woher dieser Begriff kommt? Das wird dich vielleicht etwas erstaunen, aber er kommt aus dem BDSM-Bereich. Mag es auch im ersten Moment als ein Widerspruch zu lustvollen Schmerzen, Peitschen und Fesseln stehen, so ist die sexuelle Nachsorge nach einem extremen sexuellen Akt wie BDSM sehr wichtig. Erstens damit der Partner sich nicht benutzt, sondern respektiert und geschätzt fühlt. Aber auch um ihm das Gefühl zu geben, dass er oder sie vertrauen kann. Was bedeutet dies nun für dein Liebesleben und deine Sexualität?
Warum Zärtlichkeit nach dem Sex so wichtig ist: Sexual Aftercare
Sicherlich fragst du dich, warum ein sexual Aftercare überhaupt notwendig ist? Das ist schnell erklärt. Nach dem Hoch des sexuellen Orgasmus stürzen viele in den sogenannten After Sex Blues – einem Stimmungstief, welches durch das Abfallen des Adrenalinspiegels und der Hormone ausgelöst werden kann. Nun fühlt sich plötzlich alles schlecht an, Reue kann aufkommen, Scham oder sogar tiefe Enttäuschung. Wenn nun aber sexual Aftercare oder schlicht Zärtlichkeit ins Spiel kommt, passiert etwas wirklich Schönes: Wertschätzung.
Das bringt Menschen emotional näher zueinander
Durch Sex, egal ob in einer festen Beziehung, in der Ehe oder auch nur in einem flüchtigen One-Night-Stand – entsteht nicht nur körperliche Nähe, sondern auch emotionale. Gerade diese emotionale Intimität braucht Zärtlichkeit nach dem Sex. Auch hier kommt die körpereigene Chemie zum Tragen. Jede schon etwas intimere Berührung, aber sicherlich der tatsächliche Akt, bringt unsere Hormone zu kochen. Oxytocin, das sogenannte Kuschelhormon, wird ausgeschüttet. Der Sinn dieses Hormons ist, dass wir uns während des Geschlechtsverkehrs sicher fühlen, wir vertrauen und fühlen uns, nicht nur körperlich, sondern auch emotional, verbunden.
Der Aftercare funktioniert in jede Richtung
Deine Paarbindung kannst du dadurch stärken, dass du die Kommunikation nach dem Sex mit deinem Partner suchst. So kannst du in frischen Beziehungen den Akt zu einem positiven Erlebnis zu machen, da du den After-Blues nicht aufkommen lässt. In langen Beziehungen vermeidest du, dass langweilige Routine und dieses Gefühl der Langeweile sich einschleichen.
So funktioniert der sexual Aftercare
Für einige von uns ist schon das Vorspiel eine Herausforderung, aber das Nachspiel fällt bei knapp 90 Prozent statistisch gesehen aus. Gerade bei One-Night-Stand stehen die Zeichen danach eher auf Flucht. Warte doch noch, niemand wird dich beißen. Warum bleibst du nicht ganz entspannt einfach liegen? Dreh dich zu deinem Partner, egal ob du ihn 1 Stunde oder 10 Jahre kennst. Rede mit ihm oder ihr. Frage ganz bewusst, was dieser jetzt braucht oder gerne hätte. Das kann alles sein. Von Gummibärchen über eine Zigarette oder einfach in den Arm genommen zu werden. Doch das ist nur die halbe Miete.
Der emotionale Aftercare
Dieser schafft ein Wohlbefinden nach der Intimität. Die Bedürfnisse nach dem Sex sind gerade im emotionalen Bereich sehr unterschiedlich. So kann der eine Partner sich nach deinen Armen sehnen und will nur von dir gehalten werden. Der andere möchte über den gemeinsam erlebten Sex sprechen. Das schafft Vertrauen in der Beziehung und es entsteht eine Verbindung nach dem Akt. Hier sind wir dann auch schon im Bereich des achtsamen Sexes angekommen. Oftmals ist es aber einfach nur ein gemeinsames Lachen, sich necken und befreit einander auch ohne Sex zu genießen.
In der Beziehung kann das Ganze etwas mehr herausfordernd sein
Auch wenn es dir in erster Linie nur um Sex ging, wird dir kein Zacken aus der Krone brechen, wenn du auch danach deinen Respekt und deine Wertschätzung zeigst. In einer langjährigen Beziehung kann dies eine Herausforderung darstellen. Gerade Paare haben statistisch gesehen mehr Sex als Singles. Das bedeute bei gelebten sexual Aftercare, dass dieser dann 2 oder 3 Mal in der Woche praktiziert werden sollte, um die Bindung zu verstärken und dem Partner Sicherheit und Geborgenheit zu schenken. Versucht diese Sex-Nachsorge gemeinsam zu gestalten. Ihr wisst, was ihr braucht und was ihr mögt. Versucht Variation nicht nur in euer Sexleben zu bringen, sondern auch ins Nachspiel. Gebt euch euren Gefühlen hin und lasst euch wie beim Liebesspiel gehen. Ob ihr dabei wie Teenager herumtollt oder euch zärtlich wie beim Blümchensex anlächelt, ist jedem selbst überlassen.
Bitte keine Pflicht: Macht eine Kür daraus
Kampf ist Krampf. Gestaltet euren sexual Aftercare leicht und locker. Erinnert euch doch mal daran, als ihr noch Teenager wart oder junge Erwachsene – da habt ihr wahrscheinlich alles richtig gemacht. Es war ganz selbstverständlich, dass ihr nach dem Sex noch beieinander gelegen seid, einander gestreichelt und zärtlich miteinander gesprochen habt. Ihr seid auf den anderen nach dem Liebesspiel eingegangen und hab ihn gefragt, wie er oder sie sich fühlt. Ganz natürlich, ganz sanft und wirklich interessiert. Der Partner war wichtig. Holt euch dieses Gefühl wieder zurück, wenn eure Beziehung doch schon eine lange Zeit überstanden hat. Mag der Begriff sexual Aftercare auch sehr modern daherkommen, so bedeutet er doch nichts anderes, als dass jeder Beteiligter glücklich und ohne Angst aus dem gemeinsamen Sex hervorgeht.
Fazit
Es ist nicht wirklich schwer sexual Aftercare zu betreiben. Vielmehr ist der Großteil der Personen einfach zu faul oder zu ignorant, um an die Bedürfnisse des Partners nach dem Sex zu denken. Doch gerade diese Zeit nach der Intimität ist enorm wichtig. Sie stärkt die Paarbeziehung und kann sogar aus einem One-Night-Stand ein Gefühl machen, welches nicht an schales Bier erinnert.