Der Spruch „Unter Druck entstehen Diamanten.“ dürfte vielen Menschen geläufig sein. Dass es jedoch falsch wäre, Erkenntnisse dieser Art wirklich auf alle Bereiche des Lebens zu übertragen, zeigt sich jedoch spätestens beim Thema Erotik.
Klar: Wer sein Sexleben in vollen Zügen genießen möchte, sollte sich keine Sorgen um Stehvermögen, eine möglichst gute Figur und anderes machen müssen. Auch eventuelle Vergleiche mit Ex-Freunden bzw. Ex-Freundinnen sind nicht förderlich, wenn es darum geht, Spaß zu haben.
Leider ist es jedoch nicht immer leicht, Druck dieser Art von sich zu nehmen. Oft ist es eine Kombination aus dem Wunsch, dem Partner oder der Partnerin den Sex seines/ ihres Lebens zu bescheren und der eigene Anspruch an sich selbst, der das Liebesleben zu einer Art „Leistungstest“ werden lässt. Dabei macht das Ganze umso mehr Spaß, wenn man es schafft, loszulassen und vielleicht auch offen für die ein oder andere Überraschung zu sein. Oder anders: Je weniger Druck, desto greifbarer wird die Erkenntnis, dass Gelassenheit im Schlafzimmer dabei hilft, auch seine eigene Sexualität immer wieder neu kennenzulernen.
Darum lohnt es sich, sich von Druck beim Sex zu lösen
Es gibt viele Argumente, die immer wieder unterstreichen, dass es wichtig ist, Druck und das Gefühl von „Ich muss JETZT die beste Leistung meines Lebens bringen!“ aus dem Schlafzimmer zu verbannen.
Wer es, unabhängig vom Geschlecht, schafft, das Thema Erotik ein wenig lockerer anzugehen, profitiert unter anderem oft von:
- einem erfüllteren Liebesleben
- neuen Erfahrungen, die gegebenenfalls dabei helfen, die eigene Leidenschaft anders zu entdecken
- einem positiveren Verhältnis zum Thema Sex
- einer gewissen Vorfreude auf erotische Abenteuer, bei der Versagensängste oder Ähnliches keinen Platz haben.
Schon gewusst? Leistungsdruck und Versagensangst im Zusammenhang mit Sex können verschiedene Ursachen haben. Oft vergleichen sich die Betroffenen mit dem, was sie in Filmen gesehen haben. Bei manchen haben auch negative Erfahrungen aus der Vergangenheit dazu geführt, dass sie mit sich selbst in eine Art Wettbewerb eingetreten sind.
5 Tipps für mehr Gelassenheit im Schlafzimmer
Die gute Nachricht ist, dass es in den allermeisten Fällen möglich ist, Gelassenheit im Schlafzimmer zu lernen. Vielleicht nicht von heute auf morgen, aber als Prozess. Die folgenden 5 Tipps helfen oft weiter.
Tipp Nr. 1: „Zwischenfälle“ akzeptieren lernen
Genauso wie auch der beste Profisportler nicht immer Rekorde knacken kann, ist es schlicht nicht möglich, im Bett jedes Mal das Maximum zu erreichen. Und genau das gilt es, zu akzeptieren. Wer das schafft, kann sich schnell entlasten. Denn: Diese Form der Akzeptanz unterstreicht einmal mehr, dass es absolut okay ist, manchmal „nur“ Durchschnitt zu sein oder den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen. Erlebnisse dieser Art sind menschlich… und dementsprechend authentisch.
Tipp Nr. 2: Falsche Vorbilder aus dem Kopf verbannen
Egal, ob im Porno oder im Liebesfilm: Zuschauer werden immer wieder damit konfrontiert, wie das perfekte Sexleben (angeblich) aussieht. Leidenschaftliche Liebesnächte, stundenlanger Sex und ein Orgasmus, der einem Feuerwerk gleicht. Dass die Realität manchmal anders aussehen kann, weiß so gut wie jeder. Auch, wenn man irgendwo im Hinterkopf natürlich weiß, dass Filme und Co. hier eine Art Idealvorstellung umreißen, können sich viele nicht davon lösen, genau dieser hinterherzulaufen.
Tipp Nr. 3: Emotionale Aspekte berücksichtigen
Dieser Tipp lässt sich in der Regel besonders gut in festen Beziehungen umsetzen. Klar: Bei One Night Stands, Affären und Co. geht es eben meist nur um Sex. Langjährige Partnerschaften basieren jedoch (zumindest im Idealfall) auf tiefergehenden Gefühlen. Wichtig ist es, sich dessen bewusst zu werden. Oder anders: Die emotionale Nähe, die sich hier zwischen beiden Partnern aufgebaut hat, ist mehr wert als jede Performance.
Tipp Nr. 4: Die Kommunikation mit dem Partner/ der Partnerin
Niemand muss Beziehungsexperte sein, um zu wissen, dass es wichtig ist, die Herausforderungen einer Partnerschaft gemeinsam anzugehen. Wer das Gefühl von Druck im Bett immer wieder übergeht und hofft, dass sein Gegenüber nichts bemerkt, gerät schnell in eine Art Teufelskreis. Umso wichtiger ist es, sich seinem Partner/ seiner Partnerin gegenüber zu öffnen. Vor allem die Frage „Warum verbinde ich Intimität mit Druck?“ sollte hierbei beleuchtet werden.
Oft zeigt sich, dass das Gespräch mit der besseren Hälfte dabei helfen kann, das Ganze aus einem anderen Blickwinkel zu beleuchten. Und wer weiß? Vielleicht zeigt sich in diesem Zusammenhang, dass es vollkommen unnötig ist, immer wieder Höchstleistungen erreichen zu wollen, weil der Partner/ die Partnerin weitaus entspannter ist als gedacht?
Tipp Nr. 5: Im Zweifel professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen
Die Tatsache, dass es viele Paare schaffen, den Weg zurück zu Intimität ohne Druck zu finden, bedeutet nicht, dass genau das immer leicht wäre. Vor allem, wenn beispielsweise tiefgreifende Versagensängste vorhanden sind, die bereits seit Längerem bestehen, kann es sinnvoll sein, sich an einen Experten zu wenden. Mittlerweile gibt es viele Paartherapeuten, die sich regelmäßig mit der Thematik auseinandersetzen und betroffenen Paaren helfen.
Was macht entspannter Sex mit dem Körper?
Sex wird nicht umsonst als die „schönste Nebensache der Welt“ bezeichnet. Aber gleichzeitig gilt: Sex ist nicht gleich Sex! Wer nicht einfach nur miteinander schlafen, sondern auf verschiedenen Ebenen (sowohl körperlich als auch emotional) profitieren möchte, sollte versuchen, jegliche Art von Druck herauszunehmen.
Danach zeigen sich die positiven Auswirkungen unter anderem oft in:
- einem stressfreieren Alltag
- einer gesteigerten Endorphin-Ausschüttung
- einem besseren Schlaf
- einer stärkeren Verbindung zum Partner/ zur Partnerin
- einer optimierten Lebensqualität
- mehr Selbstliebe.
Es lohnt sich dementsprechend, am Ball zu bleiben und für sich zu erkennen, dass guter Sex am Ende eben doch mehr ist als nur ein Orgasmus.
Sex ohne Leistungsdruck: Warum Filme und Co. schlicht unrealistisch sind
„Warum entsteht durch Pornos das Gefühl, immer zu 150% überzeugen zu müssen?“ – Diese Frage ist keineswegs überflüssig, sondern in jeglicher Hinsicht berechtigt.
Seien wir ehrlich: Bei den einschlägigen FSK18 Filmen geht es nicht darum, dass zwei Menschen bis ans Ende ihrer Tage glücklich werden. Und die Wahrscheinlichkeit, dass beide nach 90 Minuten heiraten werden, geht auch gegen Null.
Es geht um Sex. Nicht mehr und nicht weniger. Und wie stark wäre die Nachfrage nach Filmen dieser Art, wenn beide nach oder während des Aktes über seine mangelnde Standfestigkeit oder ihre inneren Konflikte mit ihrer Figur sprechen würden?
Die Filmindustrie weiß, was von ihr erwartet wird. Und genau deswegen sieht der Zuschauer das „Optimum“. Und genau das gilt es, sich immer wieder vor Augen zu führen… auch, wenn es schwerfällt. Vergleiche mit bekannten Pornostars sind ebenso unsinnig wie Vergleiche mit der „heilen Welt“ der Influencer auf Social Media. Beides kann nur zu einem führen: Unzufriedenheit.
Druck rausnehmen in der Sexualität: Vielleicht auch eine Frage des Alters?
Vorweg: Jeder Mensch ist anders. Oft zeigt sich jedoch, dass Menschen gerade im Alter ruhiger (und gnädiger) mit sich selbst werden. Vielleicht, weil sie schon viel erlebt haben und sich nichts mehr beweisen müssen? Vielleicht aber auch, weil sie wissen, dass sich manche erotische Zwischenfälle des Lebens nicht planen lassen und dass es dementsprechend falsch wäre, sich darüber zu ärgern.
Interessanterweise zeigt sich in diesem Zusammenhang immer wieder, dass das Problem oft nach und nach kleiner wird, wenn die Betroffenen sich von dem Druck, der sie teilweise jahrelang begleitet hat, lösen.
Warum? Druck und Stress begünstigen sich oft selbst. Das bedeutet: Je mehr Druck, desto mehr Stress und desto höher ist das Risiko, sich selbst im Bett zu enttäuschen.
Fazit: Wie wirkt sich weniger Leistungsdruck beim Sex auf das Liebesleben aus?
Egal, ob mit Mitte 20 oder im Seniorenalter: Sex soll Spaß machen. Und es ist sicherlich nicht übertrieben, Leistungsdruck als echten „Spaßkiller“ zu bezeichnen. Wer es schafft, sich von seinen eigenen Erwartungen zu lösen und Sex und Erotik einfach auf sich zukommen lässt, erlebt sein Liebesleben im Idealfall so, wie es sein sollte: entspannt, neugierig und immer mit dem guten Gefühl, dass es hier nicht um Rekorde, sondern um echte Nähe geht.